Nachhaltige Entwicklung scheitert selten an fehlendem Wissen über das, was richtig wäre. Sie scheitert häufiger daran, dass mächtige Interessen etablierte Strukturen verteidigen – und daran, dass nachfolgende Generationen nicht ausreichend darauf vorbereitet werden, es besser zu machen. Zwei Kräfte prägen deshalb maßgeblich, ob nachhaltige Entwicklung gelingt oder blockiert wird: der Einfluss von Lobbyisten auf politische Entscheidungen und die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) als Gegengewicht.
Nachhaltigkeit als Ziel zu formulieren ist das eine. Eine ganze Volkswirtschaft dorthin zu transformieren, etwas völlig anderes. Im wissenschaftlichen Diskurs ist häufig von der „großen Transformation" die Rede – einem Begriff, den unter anderem der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) geprägt hat. Gemeint ist damit ein tiefgreifender Wandel, der weit über einzelne Maßnahmen hinausgeht: Infrastrukturen, Produktionsprozesse, Regulierungssysteme und Lebensstile müssen sich gleichzeitig verändern – getragen von einem neuen Zusammenspiel aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.
Nachhaltigkeit als Prinzip zu verstehen ist die eine Seite. Sie tatsächlich zu steuern und umzusetzen, die andere – und deutlich anspruchsvollere. Wie viel darf von einer Ressource genutzt werden? Wo verlaufen die Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen? Und mit welchen strategischen Ansätzen lässt sich nachhaltiges Handeln konkret erreichen? Der Ökonom Herman Daly legte hierfür bereits in den 1990er Jahren ein Fundament, das bis heute die Grundlage moderner Nachhaltigkeitssteuerung bildet.
Nachhaltigkeit wird oft auf Umweltschutz reduziert – dabei ist das nur ein Drittel der Geschichte. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich international ein dreidimensionales Verständnis von Nachhaltigkeit durchgesetzt, das ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Dieses Prinzip prägt heute Nachhaltigkeitsstrategien auf staatlicher Ebene ebenso wie in Unternehmen. Wer nachhaltige Entwicklung wirklich verstehen will, muss alle drei Dimensionen – und vor allem ihr Zusammenspiel – kennen.
Die 17 Sustainable Development Goals sind ein globales Versprechen. Doch ein Versprechen allein verändert noch keine Lebensrealität. Damit aus der Agenda 2030 tatsächlich Wirkung entsteht, müssen die globalen Ziele in nationale Strategien, konkrete Indikatoren und politisches Handeln übersetzt werden. Am Beispiel Deutschlands lässt sich dieser Übersetzungsprozess besonders gut nachvollziehen – und er zeigt zugleich, wie anspruchsvoll die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in der Praxis wirklich ist.
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